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Impuls im August

Kennen Sie das auch? Ich mache mich morgens noch übermüdet für die Arbeit fertig. Kaffee, Frühstück, Zeitung lesen und die letzten Minuten bevor ich los muss sind natürlich wieder einmal viel zu eng, obwohl ich eigentlich sehr gut in der Zeit war. Also schnell die Arbeitstasche gegriffen und raus aus dem Haus.

Kurz vor dem Büro kommt dann die Panikattacke: ich habe meine Armbanduhr liegen lassen.

 

 

 

Gestern Abend hat sie wieder so laut getickt, da habe ich sie abgenommen und auf den Wohnzimmertisch abgelegt. Und da liegt sie jetzt gut - mir wird es heute den ganzen Tag so gehen, dass ich auf mein nacktes Handgelenk schaue und immer das Gefühl habe, ich bin zeitlich dahinter, verpasse gleich meinen nächsten Termin ...

 

Eigentlich habe ich ein sehr gutes Zeitgefühl: morgens, kurz bevor mein Radiowecker anspringt und mich über die aktuellen Neuigkeiten aus aller Welt informiert, schaue ich auf die Uhr und stelle fest, dass ich noch etwa 2 - 5 Minuten die Augen schließen darf. Wenn ich mal Zeit habe, mir eine Mittagspause zu gönnen, brauche ich keine Uhr, denn ich weiß sehr genau, wann die halbe Stunde um ist, die ich mich hinlegen wollte.

Trotzdem verursacht die fehlende Uhr bei mir Stress! Also lege ich mir neben der Uhr auf dem Display des Computers und der Uhr in der Telefonanzeige noch mein Handy auf den Schreibtisch, damit ich auch immer sofort sehen kann, wie spät es ist.

 

Urlaub beginnt deshalb für mich mit dem Ablegen meiner Armbanduhr und dem weglegen meines Kalenders. Keine Zeit im Blick zu haben, weil der ganze Tag zur Gestaltung vor mir liegt, keinen Termindruck, weil außer einem Treffen mit Freunden nichts weiter verabredet ist, das meint für mich Urlaub und Erholung. Ich brauche keine großen Aktionen und viel Programm - ich brauche Zeit zum Gestalten, zum Vertrödeln, zum Lesen, für mein Gebet ...

 

Gestern habe ich in einer Zeitschrift gelesen, wie wichtig der Sonntag für uns zum Erholen ist - für eine Auszeit, ein Tag, um den Alltagstrott abzulegen und zu regenerieren.

Ich finde es schön, dass in unserer Kirche der Sonntag nicht das Wochenende ist - also am Ende der Arbeitswoche steht, sondern Sonntag der erste Tag zu Beginn der Arbeitswoche ist.

Vielleicht sollte ich das mit meinem Urlaub ebenso halten: die Urlaubstage nicht nur als Erholung vom Stress der Arbeitswochen nutzen, sondern als Auftakt in die neue Arbeitsphase. Dann bestimmt nicht mehr der Rhythmus des Alltags und der Arbeit meinen Lebensablauf, sondern davor steht das Leben meines ganz eigenen Rhythmus.

 

Entschuldigen Sie also, wenn ich in den nächsten Tagen mal fünf Minuten zu spät kommen sollte. Vielleicht habe ich dann gerade meine Uhr zu hause liegen lassen und mein Handy ausgeschaltet.

 

Katrin Brinkmann

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